Erhöht das neue Waffengesetz die innere Sicherheit?

Die Dis­kus­si­on ist nach dem Amok­lauf von Erfurt neu auf­ge­flammt: Ist das neue Waf­fen­ge­setz tat­säch­lich ein Bei­trag zur Erhö­hung der inne­ren Sicher­heit? Kin­der ler­nen durch Nach­ah­men. Kin­der wer­den bis zu ihrer Voll­jäh­rig­keit Zeu­ge von zir­ka 100.000 Tötungs­de­lik­ten im Fern­se­hen. Es soll­te nicht län­ger die Erkennt­nis ver­schwie­gen wer­den, dass der Umgang mit Gewalt in die­ser Gesell­schaft gera­de­für die Jugend Vor­bil­der und ver­meint­li­che „ Pro­blem­lö­sun­gen ” schafft, die von Kin­dern nach­ge­lebt wer­den. Des­we­gen ist es ein schreck­li­cher Feh­ler, die Debat­te vor allem über das Tat­mit­tel zufüh­ren.

Erhöht das neue Waffengesetz die innere Sicherheit?

Wie bei jedem Gesetz zeig­ten sich auch bei dem Waf­fen­ge­setz von 1972 in der Pra­xis eine Rei­he von Schwä­chen und Unzu­läng­lich­kei­ten, die teil­wei­se bereits 1976 beho­ben wur­den, wie etwa durch die Strei­chung der grund­sätz­li­chen Befris­tung der Gül­tig­keit einer Waf­fen­be­sitz­kar­te. Auch in den letz­ten Jah­ren unter­nahm der Gesetz­ge­ber immer wie­der Anläu­fe, das Waf­fen­ge­setz zu ändern, einen ent­spre­chen­den Geset­zes­be­schluss fass­te der Bun­des­tag aber erst im letz­ten Jahr. Doch die­ser Geset­zes beschluss wur­de noch am glei­chen Tag zur Maku­la­tur, als in Erfurt Robert Stein­häu­ser Amok lief.

Unmit­tel­bar nach die­sem schreck­li­chen Blut­bad in Erfurt wur­den Stim­men laut, die unter ande­rem auch eine Ver­schär­fung des gera­de beschlos­se­nen Waf­fen­rechts for­der­ten, wäh­rend die Fra­ge, war­um es zu die­ser Tat kom­men konn­te, zumin­dest in der Medi­en­öf­fent­lich­keit kaum gestellt wur­de. So fiel auch das gera­de vom Bun­des­tag beschlos­se­ne neue Waf­fen­ge­setz blin­dem Aktio­nis­mus zum Opfer und es wur­den dort Ver­schär­fun­gen ein­ge­führt, ohne zu über­le­gen, ob die­se irgend­ei­ne posi­ti­ve Aus­wir­kung für die inne­re Sicher­heit haben.

Ver­schwie­gen wur­de dabei von allen han­deln­den Poli­ti­kern, dass es ein schreck­li­cher Feh­ler ist, die Debat­te vor allem über das Tat­mit­tel zu füh­ren. Auch ein gene­rel­les Ver­bot lega­ler Waf­fen wür­de nur dazu füh­ren, dass etwa 30 % der vor­han­de­nen Waf­fen ver­schwin­den wür­den, die­je­ni­gen in der Hand der recht­streu­en Bür­ger. Der dop­pelt so gro­ße Bestand an ille­ga­len Waf­fen blie­be unbe­rührt.

Ver­schwie­gen wur­de auch die sich auf­drän­gen­de Erkennt­nis, dass der Umgang mit Gewalt in die­ser Gesell­schaft gera­de für die Jugend Vor­bil­der und ver­meint­li­che „Pro­blem­lö­sun­gen” schafft, die von Kin­dern nach­ge­lebt wer­den. Kin­der ler­nen durch Nach­ah­men, und Kin­der wer­den bis zu ihrer Voll­jäh­rig­keit Zeu­ge von zir­ka 100.000 Tötungs­de­lik­ten im Fern­se­hen.

Glaubt denn jemand ernst­haft, dass die Mas­ke­ra­de des 19jährigen Täters in Erfurt Zufall war, die Sym­bo­lik sei­ner Erschei­nung dem Augen­blick ent­sprun­gen ist? Glaubt denn wirk­lich jemand, dass der Täter — hät­te er kei­ne Waf­fen legal beses­sen — nicht in der Lage gewe­sen wäre, sich ille­ga­le Waf­fen zu beschaf­fen. Jeder Kun­di­ge weiß, dass es leich­ter ist, sich eine Waf­fe ille­gal zu beschaf­fen, als auf lega­lem Wege. Wer glaubt, durch Restrik­ti­on des poten­ti­el­len Tat­mit­tels
Schuss­waf­fe der­ar­ti­gen Taten den Boden zu ent­zie­hen, wird schei­tern. Es muss dar­um gehen, der geis­ti­gen Hal­tung, die die­se Tat ermög­lich­te, den Boden zu ent­zie­hen.

Ver­drängt wur­den auch die Aus­sa­gen von ins­ge­samt 15 Exper­ten in der Anhö­rung des Innen­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges am 20.03.2002, die uni­so­no bestä­tig­ten: „Vom lega­len Waf­fen­be­sitz geht kei­ne Gefahr für die inne­re Sicher­heit aus!” Wer sich unter dem Ein­druck eines der­ar­tig schreck­li­chen Ereig­nis­ses zu Aktio­nis­mus hin­rei­ßen lässt, kann nur unüber­legt und damit unsach­lich han­deln. Und die Fol­gen sehen wir heu­te in dem neu­en, am 1. April in Kraft tre­ten­den Waf­fen­ge­setz, das sich den Anschein gibt, die inne­re Sicher­heit zu erhö­hen, tat­säch­lich aber den Nach­weis die­ses Ver­spre­chens trotz einer Rei­he neu­er Ver­bo­te und Ein­schrän­kun­gen schul­dig bleibt.

Ein Bei­spiel: Im neu­en Waf­fen­ge­setz wird die Arm­brust den Schuss­waf­fen gleich­ge­stellt mit der Fol­ge, dass das in vie­len his­to­ri­schen Schüt­zen­bru­der­schaf­ten etwa im Aache­ner Raum ver­brei­te­te Schie­ßen mit der Arm­brust künf­tig eben­falls erst inner­halb der bekann­ten Alters­gren­zen mög­lich sein wird. Schlägt man dage­gen die Kri­mi­nal­sta­tis­tik auf, wird man die Tat­waf­fe Arm­brust ver­geb­lich suchen.

Ein Bei­trag zur Erhö­hung der inne­ren Sicher­heit?