Gebühren für Waffenkontrolle

Die Erhe­bung von Gebüh­ren für die Über­prü­fung der siche­ren Auf­be­wah­rung der Waf­fen ist nach einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart recht­mä­ßig.

Gebühren für Waffenkontrolle

Im hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall besitzt der Klä­ger, der seit 2009 auch Jagd­schein­in­ha­ber ist, 7 Lang- und 4 Kurz­waf­fen sowie einen Wech­sel­lauf. Im Juni 2009 wies er gegen­über dem Land­rats­amt Ess­lin­gen die siche­re Auf­be­wah­rung sei­ner Waf­fen in einem Waf­fen­schrank nach. Im Dezem­ber 2009 führ­ten Mit­ar­bei­ter des Land­rats­am­tes beim Klä­ger eine unan­ge­mel­de­te – und bean­stan­dungs­frei geblie­be­ne – Über­prü­fung durch. Für die­se Kon­trol­le setz­te das Land­rats­amt mit Gebüh­ren­be­scheid vom 21.01.2010 eine Gebühr in Höhe von 46,67 Euro fest.

Mit sei­ner hier­ge­gen erho­be­nen Kla­ge macht der Klä­ger u.a. gel­tend, für die Erhe­bung der Gebühr gebe es kei­ne Rechts­grund­la­ge; ins­be­son­de­re kön­ne hier­zu nicht die Gebüh­ren­ver­ord­nung des Land­rats­am­tes Ess­lin­gen her­an­ge­zo­gen wer­den. Auch habe der Son­der­aus­schuss des Land­ta­ges von Baden-Würt­tem­berg zu den „Kon­se­quen­zen aus dem Amok­lauf in Win­nen­den und Wend­lin­gen” im März 2010 emp­foh­len, bei ver­dachts­un­ab­hän­gi­gen Kon­trol­len, die zu kei­ner Bean­stan­dung geführt hät­ten, auf eine Gebüh­ren­er­he­bung zu ver­zich­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart ist die Erhe­bung der Gebühr für die durch­ge­führ­te Waf­fen­kon­trol­le recht­mä­ßig. Ins­be­son­de­re sei das Land­rats­amt Ess­lin­gen zur Erhe­bung der­ar­ti­ger Gebüh­ren befugt. Eine ent­spre­chen­de Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zur Gebüh­ren­fest­set­zung fin­de sich in Baden-Würt­tem­berg in § 4 Abs. 3 des Lan­des­ge­büh­ren­ge­set­zes, wonach die Land­rats­äm­ter bei einer Auf­ga­ben­wahr­neh­mung als unte­re Ver­wal­tungs­be­hör­de die gebüh­ren­pflich­ti­gen Tat­be­stän­de und die Höhe der Gebüh­ren durch Rechts­ver­ord­nung fest­le­gen. Eine sol­che Gebüh­ren­ver­ord­nung habe auch das Land­rats­amt Ess­lin­gen erlas­sen und dar­in einen hin­rei­chend bestimm­ten Gebüh­ren­tat­be­stand für Prü­fun­gen und Unter­su­chun­gen nach dem Waf­fen­ge­setz, die im Inter­es­se oder auf Ver­an­las­sung des Gebüh­ren­schuld­ners vor­ge­nom­men wer­den, vor­ge­se­hen.

Bei der vor­ge­nom­me­nen Waf­fen­kon­trol­le hand­le es sich um eine der­ar­ti­ge gebüh­ren­pflich­ti­ge Amts­hand­lung im Sin­ne der Gebüh­ren­ver­ord­nung des Land­rats­am­tes Ess­lin­gen, die ins­be­son­de­re auch dem Klä­ger zuzu­rech­nen sei. Die für die Zurech­nung erfor­der­li­che beson­de­re Ver­ant­wort­lich­keit des Klä­gers fol­ge dabei aus sei­ner Pflich­ten­stel­lung als Waf­fen­be­sit­zer. Wegen der beson­de­ren Gefähr­lich­keit des Waf­fen­be­sit­zes knüp­fe die durch­ge­führ­te Waf­fen­kon­trol­le allein an den Waf­fen­be­sitz als sol­ches an und fal­le daher – unge­ach­tet des­sen, ob Anlass zu Bean­stan­dun­gen oder Kon­troll­maß­nah­men gege­ben wor­den sei oder nicht – in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Klä­gers als Waf­fen­be­sit­zer und wer­de so von ihm ver­an­lasst und ihm zuge­rech­net. Die ver­dachts­un­ab­hän­gi­ge Vor-Ort-Kon­trol­le habe der Gesetz­ge­ber nach den Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re in § 36 Abs. 3 Satz 2 des Waf­fen­ge­set­zes aus­drück­lich vor­ge­se­hen und sei vom Waf­fen­be­sit­zer zu dul­den. Die ver­dachts­un­ab­hän­gi­gen Kon­trol­len sei­en auch trotz der Annah­me der per­sön­li­chen Zuver­läs­sig­keit als Grund­vor­aus­set­zung für den Waf­fen­schein bzw. die Waf­fen­be­sitz­kar­te nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Die Erfah­run­gen hät­ten gezeigt, dass auch schrift­li­che Bekun­dun­gen über die Auf­be­wah­rung der Waf­fen gegen­über der Waf­fen­be­hör­de nicht in jedem Fall aus­reich­ten und sich zudem auch Nach­läs­sig­kei­ten ein­stel­len könn­ten.

Die waf­fen­recht­li­che Vor-Ort-Kon­trol­le sei im Fall des Klä­gers auch recht­mä­ßig erfolgt. Die Durch­füh­rung der Kon­trol­le sei unter Berück­sich­ti­gung des Grund­rechts des Klä­gers auf Unver­letz­lich­keit der Woh­nung nach Art. 13 GG nicht zu bean­stan­den, da der Klä­ger in das Betre­ten sei­ner Woh­nung durch die Waf­fen­be­hör­de ein­ge­wil­ligt habe. Die Ein­wil­li­gung des Klä­gers kön­ne auch nicht als „gesetz­lich erzwun­gen” ange­se­hen wer­den. Die Durch­su­chung sei auch im Übri­gen ord­nungs­ge­mäß, ins­be­son­de­re inner­halb des Rah­mens der Kon­troll­be­fug­nis­se der Waf­fen­be­hör­de, erfolgt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 6 Dezem­ber 2011 — 5 K 489810