Zuschau­er unter 10 Jah­ren beim Paint­ball

Durch das blo­ße Zuschau­en von Kin­dern unter 10 Jah­ren beim Paint­ball ist die Gefähr­dung für das geis­ti­ge und see­li­sche Wohl der Kin­der gege­ben.

Zuschau­er unter 10 Jah­ren beim Paint­ball

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Betrei­bers einer Paint­ball-Anla­ge ent­schie­den und sei­nen Eil­an­trag gegen eine Ord­nungs­ver­fü­gung der Stadt Müns­ter abge­lehnt. Der Antrag­stel­ler wehrt sich gegen die Unter­sa­gung durch die Ord­nungs­ver­fü­gung, Per­so­nen unter zehn Jah­ren den Zutritt zu den Räum­lich­kei­ten der Paint­ball-Anla­ge zu gestat­ten. Er argu­men­tiert, dass Fami­li­en mit Kin­dern unter­schied­lichs­ten Alters einen nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Teil der Ziel­grup­pe aus­mach­ten. Die­sen Fami­li­en sei es durch das gene­rel­le Zutritts­ver­bot nicht mehr mög­lich, gemein­sam die Paint­ball-Hal­le zu nut­zen. Nach Mei­nung des Antrag­stel­lers sei eine Gefahr für das kör­per­li­che, geis­ti­ge oder see­li­sche Wohl von Kin­dern nicht zu erken­nen. Aus dem Auf­ent­halts­raum der Anla­ge sei ein gro­ßer Teil des Spiel­be­triebs nicht ein­seh­bar.

Nach der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter sei davon aus­zu­ge­hen, dass von der Paint­ball-Anla­ge eine Gefähr­dung für das geis­ti­ge und see­li­sche Wohl jeden­falls für die hier maß­geb­li­che Alters­grup­pe der Kin­der unter zehn Jah­ren aus­ge­he. Dadurch, dass sich die Spie­ler beim Paint­ball-Spiel unter ande­rem gegen­sei­tig beschös­sen und die Tref­fer far­big mar­kiert wür­den, wer­de nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter die Benut­zung ech­ter Schuss­waf­fen nach­emp­fun­den. Aus die­sen Grün­den sei ohne Wei­te­res anzu­neh­men, dass schon das Zuse­hen – ähn­lich wie z.B. das Betrach­ten von Kriegs­fil­men – eine Gefähr­dung im genann­ten Sin­ne dar­stel­le, weil das Kampf­ge­sche­hen ein Bedroh­lich­keits­ge­fühl erzeu­ge und aggres­si­ve Über­zeu­gun­gen und Ein­stel­lun­gen erzeugt und ver­stärkt wür­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter betont, dass der jugend­ge­fähr­den­de Tat­be­stand auch für den Auf­ent­halts­be­reich erfüllt sei, da in dem Gewer­be­be­trieb der Antrag­stel­le­rin zwar nicht das klei­ne­re, jedoch das grö­ße­re Spiel­feld zu ca. 75 % durch eine Schei­be vom Auf­ent­halts­raum aus ein­seh­bar sei.

Außer­dem trä­ten die von der Antrag­stel­le­rin ange­führ­ten finan­zi­el­len Inter­es­sen hin­ter dem Schutz der see­li­schen und geis­ti­gen Gesund­heit von Kin­dern unter zehn Jah­ren zurück. Damit habe die Antrag­stel­le­rin etwai­ge Umsatz­ein­bu­ßen, die durch das Zutritts­ver­bot ent­ste­hen könn­ten, bis zur gericht­li­chen Klä­rung in der Haupt­sa­che hin­zu­neh­men.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 6. August 2020 – 6 L 506/​20