Aufbewahrung von Waffen und Munition

„Wer Waf­fen oder Muni­ti­on besitzt, hat die erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um zu ver­hin­dern, dass die­se Gegen­stän­de abhan­den kom­men oder Drit­te sie unbe­fugt an sich neh­men.“ So bestimmt es seit dem 1. April 2003 § 36 des neu­en Waf­fen­ge­set­zes.

Aufbewahrung von Waffen und Munition

An sich ein selbst­ver­ständ­li­cher Grund­satz, dem wohl auch schon zu Zei­ten des „alten“ Waf­fen­ge­set­zes jeder ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Waf­fen­be­sit­zer zuge­stimmt hat. Aber wie so vie­les ande­re auch, wur­den auch die Vor­schrif­ten zur Auf­be­wah­rung von Waf­fen ver­schärft und for­ma­li­siert. Ins­be­son­de­re müs­sen nun­mehr alle Schuss­waf­fen mit Aus­nah­me von Luft­ge­wehr und Luft­pis­to­le in einem zer­ti­fi­zier­ten Waf­fen­schrank mit einer bestimm­ten Sicher­heits­stu­fe oder einem bestimm­ten Wider­stands­grad unter­ge­bracht wer­den. Nach­dem nun aber die zum 1. Dezem­ber 2003 in Kraft getre­te­ne All­ge­mei­ne Waf­fen­ge­setz-Ver­ord­nung wie­der­um neue Vor­schrif­ten zur Waf­fen­auf­be­wah­rung ent­hält, dürf­te es sinn­voll sein, die nun gel­ten­den Rege­lun­gen ein­mal sys­te­ma­tisch dar­zu­stel­len.

Sicherheitsstufen[↑]

Vor­ab jedoch noch eini­ge Wor­te zu den ver­schie­de­nen Sicher­heits­stu­fen bei Tre­so­ren: Die „Ein­bruch­si­cher­heit“ von Tre­so­ren wur­de bis­her nach der VDMA-Norm 24992 bestimmt. Die dort defi­nier­ten Sicher­heits­stu­fen A und B sind wohl jedem Schüt­zen ein Begriff. Nun exis­tiert aber seit eini­ger Zeit auch eine ver­gleich­ba­re euro­päi­sche Norm DIN EN 1143 – 1, in der bestimm­te Wider­stands­gra­de wie etwa 0 oder 1 beschrie­ben sind. Die „alte“ VDMA-Norm ist daher zum 31.12.2003 aus­ge­lau­fen, so dass ab die­sem Jahr nur noch Tre­so­re nach der euro­päi­schen Norm pro­du­ziert und zer­ti­fi­ziert wer­den kön­nen. So weit so gut. Das Pro­blem ist nur: Ein der bis­he­ri­gen Sicher­heits­stu­fe A (alt) ent­spre­chen­der Wider­stands­grad ist in der neu­en euro­päi­schen Norm gar nicht defi­niert und der nied­rigs­te Wider­stands­grad 0 (neu) stellt immer noch höhe­re Anfor­de­run­gen als die bis­he­ri­ge Sicher­heits­stu­fe B (alt). Dass Waf­fen­schrän­ke nach dem neu­en Wider­stands­grad 0 dem ent­spre­chend auch um eini­ges teue­rer sind als B- oder gar A‑Schränke, ver­steht sich hier­nach von selbst und zeigt sich auch bei einem Blick in die Preis­lis­ten der jewei­li­gen Tre­sor­her­stel­ler.

Wur­de ein Waf­fen­schrank jedoch noch nach der alten VDMA-Norm zer­ti­fi­ziert, so bleibt die­se Ein­stu­fung wei­ter­hin gül­tig und der Schrank kann wei­ter­hin benutzt wer­den, solan­ge er die nach­ste­hend beschrie­be­nen Min­dest­kri­te­ri­en erfüllt. Auch sind immer noch A-/B‑­Schrän­ke im Han­del erhält­lich. Wer also die Anschaf­fung eines neu­en Waf­fen­schran­kes plant, soll­te sich beei­len, damit er nicht dem­nächst nur noch ein Ange­bot über teu­re­re (und schwe­re­re) Waf­fen­schrän­ke mit Wider­stands­grad 0 vor­fin­det. Beei­len soll­te sich im Übri­gen auch, wer nach der Lek­tü­re die­ses Arti­kels fest­stellt, dass er wohl doch noch einen neu­en Waf­fen­schrank benö­tigt, weil sei­ne bis­he­ri­ge Auf­be­wah­rung den neu­en Anfor­de­run­gen nicht genügt. Denn wer sei­ne Waf­fen nicht ord­nungs­ge­mäß ver­wahrt, ver­liert zwin­gend sei­ne waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit.

Wohin also mit dem Gewehr?[↑]

Alle erlaub­nis­pflich­ti­gen Lang­waf­fen, also alle KK-Geweh­re, Ordo­nanz­waf­fen, Zim­mer­stut­zen, Vogel­büch­sen usw., müs­sen min­des­tens in einem Waf­fen­schrank der Sicher­heits­stu­fe A unter­ge­bracht wer­den. Für bis zu zehn Geweh­re reicht ein A‑Schrank aus, müs­sen, etwa bei einem grö­ße­ren Schüt­zen­ver­ein mit ent­spre­chend vie­len Ver­eins­waf­fen, mehr als zehn Geweh­re ver­wahrt wer­den, müs­sen ent­we­der meh­re­re A‑Schränke neben­ein­an­der gestellt wer­den oder aber ein gro­ßer Waf­fen­schrank mit min­des­tens der Sicher­heits­stu­fe B oder dem Wider­stands­grad A zur Ver­fü­gung ste­hen.

Und wenn die gan­ze Fami­lie schießt? Dann braucht, anders als nach dem alten Waf­fen­ge­setz, nicht jedes Fami­li­en­mit­glied sei­nen eige­nen Tre­sor, son­dern alle Mit­glie­der einer häus­li­chen Gemein­schaft dür­fen ihre Waf­fen gemein­sam in einem Tre­sor ver­wah­ren.

Und die Sportpistole?[↑]

Etwas auf­wän­di­ger wird die Auf­be­wah­rung dage­gen bei den Kurz­waf­fen, hier ist grund­sätz­lich ein Tre­sor in der Sicher­heits­stu­fe B oder dem Wider­stands­grad A erfor­der­lich, in dem dann wie­der bis zu zehn Waf­fen gela­gert wer­den kön­nen. Bei mehr Waf­fen sind wie­der­um ent­we­der meh­re­re B‑Tresore oder aber eine grö­ße­rer Tre­sor des Wider­stands­gra­des 1 erfor­der­lich. Wich­tig ist hier, anders als bei den Geweh­ren, auch das Gewicht des Tre­sors: Unter 200 kg dür­fen in dem Tre­sor statt der zehn nur maxi­mal fünf Waf­fen auf­be­wahrt wer­den oder aber der Tre­sor muss so in der Wand ver­an­kert wer­den, dass er einen ent­spre­chen­den Abriss­wi­der­stand auf­weist. Über­haupt ist bei einem klei­nen Tre­sor Vor­sicht gebo­ten, denn was nützt die B‑Zertifizierung eines klei­nen Möbel­tre­sors, wenn er vom Ein­bre­cher zwar nicht an Ort und Stel­le geöff­net, dafür aber leicht kom­plett mit­ge­nom­men wer­den kann, weil er nicht in der Wand ver­dü­belt ist?

Muss sowohl ein KK-Gewehr als auch die Sport­pis­to­le sicher ver­wahrt wer­den, ist es auch aus­rei­chend, wenn für die Pis­to­le in dem Gewehr­schrank der Sicher­heits­stu­fe A ein sepa­rat abschließ­ba­res Fach der Sicher­heits­stu­fe B ein­ge­baut ist.

Wo lagert die Munition?[↑]

Auch die Muni­ti­on bedarf einer spe­zi­el­len Ver­wah­rung. Hier gilt zunächst der Grund­satz, dass Waf­fe und dazu pas­sen­de Muni­ti­on nicht gemein­sam gela­gert wer­den dür­fen. Eine gemein­sa­me Lage­rung von Waf­fe und zu die­ser pas­sen­der Muni­ti­on ist nur mög­lich, wenn der Waf­fen­schrank min­des­tens den Wider­stands­grad 0 auf­weist, nicht aber in einem Schrank der Sicher­heits­stu­fe B oder gar A. Besitzt der Gewehr­schrank der Sicher­heits­stu­fe A oder B ein sepa­rat abschließ­ba­res Stahl­fach, kann die Muni­ti­on dar­in gela­gert wer­den, im B‑Fach des A‑Schranks darf die Muni­ti­on auch zusam­men mit der Pis­to­le auf­be­wahrt wer­den. Ansons­ten ist die Muni­ti­on in einem Stahl­blech­be­hält­nis mit Schwenk­rie­gel­schloss oder einem gleich­wer­ti­gen Behält­nis auf­zu­be­wah­ren.

Aufbewahrung im Schützenhaus[↑]

Sol­len Schuss­waf­fen im Schüt­zen­haus gela­gert wer­den, wird es schwie­rig, denn für nicht dau­er­haft bewohn­te Gebäu­de wie etwa die meis­ten Schüt­zen­häu­ser sieht die Ver­ord­nung zum Waf­fen­ge­setz vor, dass maxi­mal drei Geweh­re in einem Schrank des Wider­stands­gra­des 1 ver­wahrt wer­den dür­fen. Die ört­li­che Waf­fen­be­hör­de kann aller­dings Aus­nah­men von die­ser wohl maß­los über­zo­ge­nen Anfor­de­rung geneh­mi­gen, wenn zusam­men mit der kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Bera­tungs­stel­le ein ent­spre­chen­des Auf­be­wah­rungs­kon­zept erstellt wird. Finan­zi­ell sinn­vol­ler dürf­te es aber sein, die Schuss­waf­fen künf­tig bei ent­spre­chend beauf­trag­ten Mit­glie­dern zuhau­se und nicht mehr im Schüt­zen­haus zu ver­wah­ren, es sei denn, es han­delt sich nur um freie Luft­druck­waf­fen.

Und das Luftgewehr?[↑]

Die stren­gen Vor­schrif­ten gel­ten nur für erlaub­nis­pflich­ti­ge Schuss­waf­fen, nicht hin­ge­gen für „freie“ Luft­ge­weh­re und Luft­pis­to­len. Hier bestehen kei­ne spe­zi­el­len Auf­be­wah­rungs­vor­schrif­ten, son­dern nur der schon zitier­te Grund­satz, dass die erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen sind, um zu ver­hin­dern, dass die­se Gegen­stän­de abhan­den kom­men oder Drit­te sie unbe­fugt an sich neh­men. Zu beach­ten ist aller­dings, dass zu den unbe­fug­ten Per­so­nen auch die eige­nen min­der­jäh­ri­gen Kin­der zäh­len. Sind also Kin­der im Haus, muss das Luft­ge­wehr so weg­ge­schlos­sen wer­den, dass es für das Kind uner­reich­bar ist. Und die Dia­bo­los? Nun, die sind — recht­lich gese­hen — kei­ne Muni­ti­on, also gel­ten hier­für auch kei­ne Auf­be­wah­rungs­vor­schrif­ten.