Gebühren für die Regelüberprüfung im Waffenrecht

Eine waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis, gleich für wel­ches Bedürf­nis sie erteilt wird, setzt nach § 4 WaffG stets vor­aus, dass der Antrag­stel­ler die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit (§ 5 WaffG) und und die per­sön­li­che Eig­nung (§ 6 WaffG) besitzt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht nur bei der Ertei­lung der waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis zu prü­fen, die Waf­fen­be­hör­de hat die Inha­ber waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se dar­über hin­aus in regel­mä­ßi­gen Abstän­den, min­des­tens alle drei Jah­re, erneut auf ihre Zuver­läs­sig­keit und ihre per­sön­li­che Eig­nung zu prü­fen, § 4 Abs. 3 WaffG.

Gebühren für die Regelüberprüfung im Waffenrecht

Für die­se für die alle drei Jah­re statt­fin­den­de waf­fen­recht­li­che Regel­über­prü­fung der Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung des Erlaub­nis­in­ha­bers ist die Waf­fen­be­hör­de berech­tigt, von dem jeweils Über­prüf­ten eine Gebühr zu ver­lan­gen, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­ge­gen der bis­her übli­chen Ver­wal­tungs­pra­xis ent­schie­den hat.

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit ist der Klä­ger seit dem 5. Mai 1999 Inha­ber einer Waf­fen­be­sitz­kar­te, in die meh­re­re Waf­fen ein­ge­tra­gen sind. Im März/April 2006 über­prüf­te die Regi­on Han­no­ver als für ihn ört­lich zustän­di­ge Waf­fen­be­hör­de die Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­che Eig­nung des Klä­gers, indem sie Aus­künf­te aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter, dem Erzie­hungs­re­gis­ter sowie eine Äuße­rung der Poli­zei ein­hol­te. Grün­de, die gegen die Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­che Eig­nung des Klä­gers spra­chen, wur­den von der Waf­fen­be­hör­de dabei nicht fest­ge­stellt. Unter dem 13. April 2006 teil­te sie dem Klä­ger mit, die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Über­prü­fung habe erge­ben, dass wei­ter­hin kei­ne Grün­de vor­lä­gen, die gegen sei­ne per­sön­li­che Zuver­läs­sig­keit und Eig­nung sprä­chen. Zugleich setz­te sie für die Durch­füh­rung Gebüh­ren in Höhe von 25,56 € fest. Zur Begrün­dung gab sie an, die Fest­set­zung erfol­ge nach Abschnitt III Nr. 1 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses der Anla­ge zur Kos­ten­ver­ord­nung zum Waf­fen­ge­setz (Waff­KostV), weil der Waf­fen­be­sitz des Klä­gers die­se Amts­hand­lung not­wen­dig gemacht habe und hier­für kei­ne Gebühr in Abschnitt I oder II vor­ge­se­hen sei.

Zur Begrün­dung sei­ner gegen die­sen Gebüh­ren­be­scheid erho­be­nen Kla­ge mach­te der Klä­ger dage­gen gel­tend, die Kos­ten­ver­ord­nung zum Waf­fen­ge­setz sehe eine Kos­ten­tra­gungs­pflicht für die Regel­über­prü­fung der Inha­ber waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se nicht vor. Abschnitt III Nr. 1 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses der Waff­KostV rege­le ledig­lich die Kos­ten­tra­gungs­pflicht für Über­prü­fun­gen, die im Inter­es­se des Gebüh­ren­schuld­ners lägen. Dies sei hier nicht gege­ben, da die Über­wa­chung der Zuver­läs­sig­keit des Waf­fen­be­sitz­kar­ten­in­ha­bers allein im Inter­es­se der Öffent­lich­keit erfol­ge.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat die streit­ge­gen­ständ­li­chen Beschei­de der Regi­on Han­no­ver auf­ge­ho­ben. Die Auf­he­bung des Kos­ten­be­scheids hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver im Wesent­li­chen damit begrün­det, die Regi­on Han­no­ver kön­ne ihren Gebüh­ren­be­scheid nicht auf § 4 Abs. 3, § 50 Abs. 1 und Abs. 2 WaffG in Ver­bin­dung mit §§ 9, 11, 13, 14 sowie § 1 Waff­KostV i.V.m. Abschnitt III Nr. 1 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses der Anla­ge zur Kos­ten­ver­ord­nung zum Waf­fen­ge­setz stüt­zen. Nach Abschnitt III Nr. 1 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses zur Kos­ten­ver­ord­nung zum Waf­fen­ge­setz, die gemäß Art. 19 Nr. 3 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Waf­fen­rechts (Waf­fRNeuRegG) bis zum Inkraft­tre­ten einer neu­en Ver­ord­nung wei­ter­hin ent­spre­chen­de Anwen­dung fin­de, kön­ne die Behör­de für Amts­hand­lun­gen, ins­be­son­de­re Prü­fun­gen und Unter­su­chun­gen, die im Inter­es­se oder auf Ver­an­las­sung des Gebüh­ren­schuld­ners vor­ge­nom­men wür­den und nicht in Abschnitt I oder II auf­ge­führt sei­en, eine Rah­men­ge­bühr von 50 DM bis 1 000 DM erhe­ben. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lägen indes nicht vor. Gegen die­ses Urteil hat die Regi­on Han­no­ver die – vom Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver zuge­las­se­ne – Sprung­re­vi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­legt.

Der jetzt vom BVerwG ent­schie­de­ne Rechts­streit um die Fest­set­zung einer Gebühr für eine waf­fen­recht­li­che Über­prü­fung hat ein Vor­gän­ger­ver­fah­ren. Dort war es aber nicht zu einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gekom­men, da die­ser Rechts­streit ist in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt am 16. April 2008 nach Auf­he­bung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Beschei­des durch die sei­ner­zeit beklag­te Waf­fen­be­hör­de in der Haupt­sa­che für erle­digt erklärt wor­den.

Nun, “im zwei­ten Anlauf”, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gegen die bis­he­ri­ge Ver­wal­tungs­pra­xis, hob das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts auf und wies die Kla­ge ab.

Rechts­grund­la­ge für den Gebüh­ren­be­scheid ist Abschnitt III Nr. 1 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses zur Waf­fen­kos­ten­ver­ord­nung. Danach wer­den für sons­ti­ge Amts­hand­lun­gen, ins­be­son­de­re Prü­fun­gen und Unter­su­chun­gen, die auf Ver­an­las­sung des Gebüh­ren­schuld­ners vor­ge­nom­men wer­den, Gebüh­ren erho­ben. Gebüh­ren­recht­li­cher Ver­an­las­ser ist auch der­je­ni­ge, in des­sen Pflich­ten­kreis die Amts­hand­lung vor­ge­nom­men wird. Den Inha­ber einer waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis trifft die Pflicht, sich so zu ver­hal­ten, dass kei­ne Zwei­fel an sei­ner Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung auf­kom­men. Wegen die­ser an die Gefähr­lich­keit von Waf­fen anknüp­fen­den Pflich­ten­stel­lung des Erlaub­nis­in­ha­bers fällt auch die Über­prü­fung sei­ner Zuver­läs­sig­keit und per­sön­li­chen Eig­nung in sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich und wird von ihm im Sin­ne des Gebüh­ren­tat­be­stands ver­an­lasst.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2009 – 6 C 30.08