Kein Schießen mit rechter Gesinnung

In der Regel besit­zen Per­so­nen die erfor­der­li­che waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht, die ein­zeln oder als Mit­glied einer Ver­ei­ni­gung Bestre­bun­gen ver­fol­gen oder unter­stüt­zen, die gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung gerich­tet sind. Das ist bei einem Funk­ti­ons­trä­ger der NPD der Fall.

Kein Schießen mit rechter Gesinnung

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des Vor­sit­zen­den des Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt (Zeit­raum 2010 bis 2013) gegen den Wider­ruf sei­ner Waf­fen­er­laub­nis und ein Waf­fen­ver­bot abge­wie­sen. Mit Ver­fü­gung vom 5.12.2011 wider­rief das der Beklag­ten die Waf­fen­be­sitz­kar­te des Klä­gers und einen dem Klä­ger erteil­ten Jagd­schein. Dem Klä­ger wur­de ver­bo­ten, Waf­fen und Muni­ti­on zu besit­zen, deren Erwerb der waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis bedarf und deren Erwerb nicht der waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis bedarf; inso­weit wur­de die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Ver­fü­gung ange­ord­net. Sicher­stel­lung und Ein­zie­hung der im Besitz des Klä­gers befind­li­chen erlaub­nis­pflich­ti­gen und erlaub­nis­frei­en Waf­fen sowie vor­han­de­ner erlaub­nis­pflich­ti­ger und erlaub­nis­frei­er Muni­ti­on sowie der Waf­fen­be­sitz­kar­te und des Jagd­scheins wur­den ange­ord­net. Seit Mit­te 2000 gehö­re er der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne in Bre­men an und wir­ke dort aktiv im NPD-Kreis­ver­band mit. Seit März 2010 sei er Vor­sit­zen­der des NPD-Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt. Die NPD sei als ver­fas­sungs­feind­lich ein­zu­stu­fen. Die waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis sei zu wider­ru­fen, da der Klä­ger die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht erfül­le. Der Tat­be­stand des § 5 Abs. 2 Nr. 3 a) und b) WaffG sei erfüllt. Die lang­jäh­ri­gen Akti­vi­tä­ten in der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne sowie das her­aus­ge­ho­be­ne Enga­ge­ment im NPDKreis­ver­band Bre­men offen­bar­ten, dass der Klä­ger der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung und dem Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung wider­spre­chen­de Zie­le ver­fol­ge.

Der Klä­ger hat am 6.8.2013 Kla­ge erho­ben. Er trägt vor, sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se sei­en geord­net, er sei nicht vor­be­straft. Die Ent­zie­hung der Waf­fen­er­laub­nis sei über­wie­gend ideo­lo­gisch begrün­det. Der behörd­li­chen Ent­schei­dung lie­ge der poli­ti­sche Wil­le des Innen­se­na­tors zugrun­de, wie sich die­ser in einer Vor­la­ge für die Innen­de­pu­ta­ti­on vom 2.1.2012 geäu­ßert habe. Es man­ge­le an jedem sub­stan­ti­ier­ten Vor­wurf gegen den Klä­ger. Gera­de die Unter­stüt­zung des Wahl­an­trit­tes einer Par­tei zu einer Land­tags­wahl bele­ge eine posi­ti­ve Grund­hal­tung zur frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung. Der von der Beklag­ten ver­wen­de­te Begriff des „Rechts­ex­tre­mis­mus” sei ohne recht­li­che Ope­ra­bi­li­tät. Dem Klä­ger wür­den Sach­ver­hal­te vor­ge­wor­fen, die zeit­lich bereits mehr als 25 Jah­re zurück­lä­gen. Im Rah­men sei­nes Geschäfts­be­trie­bes sei der Klä­ger auf den Ver­trieb von Gelän­de­wa­gen der rus­si­schen Mar­ke spe­zia­li­siert; er ste­he lau­fend im Kon­takt mit Geschäfts- und Ver­triebs­part­nern im Aus­land. Im Rah­men sei­nes par­tei­po­li­ti­schen Enga­ge­ments neh­me der Klä­ger sein Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit wahr und ver­tre­te mit der frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ver­ein­ba­re Posi­tio­nen, die­sen Stand­punkt habe er auch inner­halb der Par­tei zur Gel­tung gebracht. Die NPD sei eine zuge­las­se­ne und in ihrer Ziel­set­zung rechts­staats­kon­for­me Par­tei; dies erge­be sich auch aus dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von 2003 zum Ver­bots­ver­fah­ren. Der Klä­ger sei für den Kreis­ver­band zustän­dig gewe­sen, nicht jedoch für die Lan­des- oder Bun­des­par­tei; für den Inhalt der Wahl­wer­bung sei er nicht ver­ant­wort­lich gewe­sen und er habe auf die Gesamt­par­tei kei­nen Ein­fluss gehabt. Zudem sei der Beklag­ten spä­tes­tens seit dem 15.1.2009 bekannt gewe­sen, dass der Klä­ger Mit­glied der NPD sei, ohne dass dies zum Gegen­stand einer Wider­rufs­ent­schei­dung gemacht wor­den wäre. Der Klä­ger habe sich bei der Sicher­stel­lung sei­ner Waf­fen koope­ra­tiv gezeigt; die­se sei­en ord­nungs­ge­mäß ver­wahrt gewe­sen. Im zeit­li­chen Zusam­men­hang sei die Beklag­te gegen wei­te­re Mit­glie­der der NPD vor­ge­gan­gen. Die­sen Per­so­nen sei­en die Waf­fen und ent­spre­chen­de Erlaub­nis­se wie­der aus­ge­hän­digt wor­den. Die streit­ge­gen­ständ­li­che behörd­li­che Ent­schei­dung ver­sto­ße gegen Art. 21 und Art. 103 GG. Es sei zudem rechts­wid­rig, dass im Wider­spruchs­be­scheid nicht auch eine Ent­schei­dung über die jagd­recht­li­che Sei­te der Ange­le­gen­heit getrof­fen wor­den sei. Schließ­lich sei die Gebüh­ren­fest­set­zung rechts­wid­rig.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men aus­ge­führt, dass eine Erlaub­nis zurück­zu­neh­men bzw. zu wider­ru­fen ist, wenn der Betrof­fe­ne die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht (mehr) besitzt, § 4 Abs. 1 Nr. 2 WaffG. Gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 3 a) WaffG besit­zen die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit in der Regel Per­so­nen nicht, die ein­zeln oder als Mit­glied einer Ver­ei­ni­gung Bestre­bun­gen ver­fol­gen oder unter­stüt­zen oder in den letz­ten fünf Jah­ren ver­folgt oder unter­stützt haben, die gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung gerich­tet sind. Durch sei­ne Tätig­keit als Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt der NPD erfüll­te der Klä­ger die­ses Tat­be­stands­merk­mal.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts1 ist der Tat­be­stand des § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG auch bei der Prü­fung von waf­fen­recht­li­cher Unzu­ver­läs­sig­keit im Zusam­men­hang mit par­tei­of­fi­zi­el­ler oder par­tei­ver­bun­de­ner Tätig­keit zu prü­fen. Er wird nicht von § 5 Abs. 2 Nr. 2 b) WaffG ver­drängt, dem­zu­fol­ge eine waf­fen­recht­li­che Rege­lun­zu­ver­läs­sig­keit anzu­neh­men ist bei einer Mit­glied­schaft in einer Par­tei, deren Ver­fas­sungs­wid­rig­keit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt hat. Dies ergibt sich sowohl aus der Geset­zes­sys­te­ma­tik als auch aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Auch der Norm­zweck des § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG spricht gegen die Annah­me einer Aus­schluss­wir­kung des § 5 Abs. 2 Nr. 2 b) WaffG. Ande­ren­falls könn­te das Ver­fol­gen von Bestre­bun­gen der in § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG genann­ten Art, obwohl dies nach der Wer­tung des Geset­zes regel­mä­ßig die Unzu­ver­läs­sig­keit begrün­det, im Schat­ten der Mit­glied­schaft in einer nicht ver­bo­te­nen Par­tei zum Nach­teil der All­ge­mein­heit fol­gen­los blei­ben2. Die­ses Ergeb­nis steht nicht im Wider­spruch zum Ver­fas­sungs­recht, ins­be­son­de­re zum Par­tei­en­pri­vi­leg nach Art. 21 Abs. 2 S. 2 GG. Denn die Annah­me einer waf­fen­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit eines Par­tei­mit­glie­des oder –anhän­gers nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG beein­träch­tigt die von Art. 21 GG geschütz­te Mit­wir­kung der Par­tei an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung nicht in rechts­er­heb­li­cher Wei­se. Viel­mehr stellt sich § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG als eine Vor­schrift war, die – ver­gleich­bar mit den all­ge­mei­nen, d.h. kein Son­der­recht gegen die Par­tei­en ent­hal­ten­den Straf­ge­set­zen – dem Schutz fun­da­men­ta­ler Rechts­gü­ter der All­ge­mein­heit dient und die daher – wie­der­um ähn­lich den all­ge­mei­nen Straf­ge­set­zen – für die Mit­glie­der und Anhän­ger der Par­tei­en auch in Anba­tracht des Art. 21 Abs. 2 GG eben­so Gel­tung bean­sprucht wie für alle ande­ren Bür­ger3.

Zur Erfül­lung des Tat­be­stan­des des § 5 Abs. 2 S. 3 a) WaffG durch eine Betä­ti­gung für die NPD schließt sich das Ver­wal­tungs­ge­richt den Aus­füh­run­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen in einer Ent­schei­dung vom 13.11.20134 an5. Auch nach aktu­el­len Erkennt­nis­sen bestehen für das Ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Akti­vi­tä­ten der NPD sich gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung rich­ten. Nach dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Inne­ren von 2013 bestehen wei­ter­hin kei­ne Zwei­fel an der gegen die poli­ti­sche Ord­nung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gerich­te­ten Poli­tik der NPD. Im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2013 des Sena­tors für Inne­res und Sport wird u.a. aus­ge­führt, die NPD ver­tre­te offen frem­den­fein­li­che, ras­sis­ti­sche und natio­na­lis­ti­sche Posi­tio­nen. Ihre ver­fas­sungs­feind­li­che Aus­rich­tung kom­me in dem 2010 ver­ab­schie­de­ten Par­tei­pro­gramm zum Aus­druck. Allen poli­ti­schen, öko­no­mi­schen und sozia­len The­men­be­rei­chen oder Sach­fra­gen lie­ge hier das Kon­zept der „Volks­ge­mein­schaft” zugrun­de und damit ein anti­in­di­vi­dua­lis­ti­sches Men­schen­bild sowie ein iden­ti­tä­res Poli­tik- und Staats­ver­ständ­nis. Die Leit­idee der „Volks­ge­mein­schaft” fin­de sich auch in einer 2012 ver­öf­fent­lich­ten NPD-Bro­schü­re „Wortgewandt/Argumente für Man­dats- und Funk­ti­ons­trä­ger”. Die völ­ki­sche Aus­rich­tung der Par­tei kom­me im Wahl­pro­gramm zur Bun­des­tags­wahl 2013 aus tak­ti­schen Grün­den weni­ger deut­lich zum Aus­druck. Es sei als Ver­such der NPD zu wer­ten, grö­ße­ren Wäh­ler­zu­spruch durch die Prä­sen­ta­ti­on als gemä­ßig­te und moder­ne Par­tei zu erlan­gen. Im bre­mi­schen Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2012 wird zur NPD u.a. aus­ge­führt, Gül­tig­keit besit­ze noch die 1996 for­mu­lier­te „Drei-Säu­len-Stra­te­gie” („Kampf um die Par­la­men­te”, „Kampf um die Stra­ße”, „Kampf um die Köp­fe”), die 2004 um eine vier­te Säu­le („Kampf um den orga­ni­sier­ten Wil­len”) erwei­tert wor­den sei. Die „Vier-Säu­len-Stra­te­gie” zie­le auf die umfas­sen­de Bekämp­fung des demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staa­tes mit dem Schwer­punkt, öffent­li­che Prä­senz durch Auf­mär­sche, Kund­ge­bun­gen und die poli­ti­sche Arbeit in den Lan­des- und Kom­mu­nal­par­la­men­ten zu zei­gen. Der Klä­ger hat die NPD aktiv unter­stützt. Er hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­führt, er habe in sei­ner Funk­ti­on als Kreis­vor­sit­zen­der orga­ni­sa­to­ri­sche Arbeit geleis­tet. Er habe Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen abge­hal­ten und die Mit­glie­der über Neu­ig­kei­ten infor­miert, die vom Bun­des­vor­stand kamen. Zudem habe er Info­stän­de geplant und auch zusam­men mit dem Schatz­meis­ter Bei­trä­ge ver­bucht. Damit ist der Tat­be­stand der Rege­lun­zu­ver­läs­sig­keit nach § 5 Abs. 2 Nr. 3a) WaffG erfüllt. Es kann daher dahin­ge­stellt blei­ben, ob sich Zwei­fel an der Zuver­läs­sig­keit des Klä­gers gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 5 WaffG auch aus den Umstän­den erge­ben, die dem Straf­ver­fah­ren zugrun­de lagen. Aty­pi­sche Grün­de sind nicht vor­ge­tra­gen oder ersicht­lich.

Der Umstand, dass der Klä­ger nicht vor­be­straft ist und sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se geord­net sind kön­nen kei­nen Aus­nah­me­tat­be­stand begrün­den, weil sie bei jedem Waf­fen­be­sit­zer vor­aus­ge­setzt wer­den. Auch Geschäfts­kon­tak­te ins Aus­land ver­mö­gen die Annah­me einer Unzu­ver­läs­sig­keit nach § 5 Abs. 2 Nr. 3a) WaffG nicht zu wider­le­gen.

Man­gels Zuver­läs­sig­keit waren die waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis­se des Klä­gers zu wider­ru­fen bzw. zurück­zu­neh­men, wobei auf die Sach­la­ge zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den Wider­spruch­be­scheid abzu­stel­len ist6. Da sich die waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit des Klä­gers nach dem oben Gesag­ten ent­schei­dend durch sei­ne Tätig­keit als Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des Bre­men-Stadt von 2010 bis 2013 bestimmt, sind die vor 2010 erteil­ten Erlaub­nis­se nach § 45 Abs. 2 WaffG zu wider­ru­fen und die nach 2010 erteil­ten Erlaub­nis­se gemäß § 45 Abs. 1 WaffG zurück­zu­neh­men. Da es sich in bei­den Fäl­len um eine gebun­de­ne Ent­schei­dung han­delt, bei der der Behör­de kein Ermes­sen zukommt, kommt es hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ledig­lich dar­auf an, ob sich die Ent­schei­dung gemes­sen am Gesetz im Ergeb­nis als recht­mä­ßig dar­stellt. Es ist daher unschäd­lich, dass sich die Beklag­ten in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Beschei­den allein auf § 45 Abs. 2 WaffG gestützt hat7. Eben­so uner­heb­lich ist, dass die maß­geb­li­chen Tat­sa­chen aus den Jah­ren 2010 bis 2013 stam­men, da für die Ent­schei­dung nach § 45 Abs. 1 bzw. Abs. 2 WaffG kei­ne Frist, ins­be­son­de­re nicht die Jah­res­frist der §§ 48 Abs. 4 S. 1, 49 Abs. 3 S. 2 BremV­wVfG gilt8.

Das dem Klä­ger erteil­te Waf­fen­ver­bot für erlaub­nis­freie und erlaub­nis­pflich­ti­ge Waf­fen
begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken. Gemäß § 41 Abs. 1 S. 1 Ziff. 2 2. Alt. WaffG kann der Besitz von erlaub­nis­frei­en Waf­fen oder Muni­ti­on unter­sagt wer­den, wenn dem Betrof­fe­nen die für den Erwerb oder Besitz sol­cher Waf­fen oder Muni­ti­on erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit fehlt. Gemäß § 41 Abs. 2 WaffG kann der Besitz von erlaub­nis­pflich­ti­gen Waf­fen und Muni­ti­on unter­sagt wer­den, soweit es zur Ver­hü­tung von Gefah­ren für die Sicher­heit oder Kon­trol­le des Umgangs mit die­sen Gegen­stän­den gebo­ten ist. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts knüpft auch die Vor­schrift des § 41 Abs. 2 WaffG an die waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit des Betrof­fe­nen an9. Dabei ist ange­sichts des dif­fe­ren­zier­ten Kata­lo­ges von § 5 WaffG von einem ein­heit­li­chen waf­fen­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keits­be­griff aus­zu­ge­hen10.

Bei fest­ge­stell­ter waf­fen­recht­li­cher Unzu­ver­läs­sig­keit ist mit­hin der Tat­be­stand der § 41 Abs. 1 S. 1 Ziff. 2 2. Alt. GG und § 41 Abs. 2 WaffG erfüllt. Da es sich bei dem Waf­fen­ver­bot um einen Dau­er­ver­wal­tungs­akt han­delt, ist bei der Beur­tei­lung der Zuver­läs­sig­keit des Klä­gers hier auf den Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung abzu­stel­len11. Auch zum der­zei­ti­gen Zeit­punkt ist jedoch von einer waf­fen­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit des Klä­gers aus­zu­ge­hen. Zwar hat die­ser im Jahr 2013 sein Amt als Kreis­vor­sit­zen­der der NPD auf­ge­ge­ben. Nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 WaffG sind jedoch bei der Bewer­tung der Zuver­läs­sig­keit Unter­stüt­zungs­hand­lun­gen auch dann zu berück­sich­ti­gen, wenn sie in den letz­ten fünf Jah­ren erfolg­ten. Die oben erfolg­te Fest­stel­lung der waf­fen­recht­li­chen Unzu­ver­läs­sig­keit bleibt daher auch zum Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung aktu­ell. Ent­ge­gen­ste­hen­de Grün­de, ins­be­son­de­re ein voll­stän­di­ges Abwen­den des Klä­gers von den Zie­len der NPD, sind nicht ersicht­lich. Viel­mehr ist der Klä­ger nach sei­nem Vor­trag wei­ter­hin Mit­glied der Par­tei.

Die Ermes­sens­ent­schei­dung der Beklag­ten zum Waf­fen­ver­bot nach § 41 Abs. 1 und Abs. 2 WaffG ist nicht zu bean­stan­den. Die Beklag­te hat erkannt, dass bei einer Ent­schei­dung zu § 41 Abs. 1 und Abs. 2 WaffG eine Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen ist. Sie dif­fe­ren­ziert zwi­schen der Ent­schei­dung zu erlaub­nis­frei­en und erlaub­nis­pflich­ti­gen Waf­fen und bezieht sich auf das gesetz­li­che Ziel des Schut­zes von Leben und kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit. Bei ihrer Ermes­sens­ent­schei­dung hat sie weder von ihrem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht, noch hat sie die Gren­zen ihres Ermes­sen über­schrit­ten. Es liegt ins­be­son­de­re kein Ver­stoß gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz vor. Geeig­net­heit und Erfor­der­lich­keit des Waf­fen­ver­bots wer­den zutref­fend geprüft. Die Ange­mes­sen­heit der Maß­nah­me wird in Bezug gesetzt zum ver­folg­ten Schutz­ziel. Das Ver­wal­tungs­ge­richt sieht kei­nen Hin­weis auf Ermes­sens­feh­ler durch die vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne unter­schied­li­che Pra­xis der Beklag­ten in Bezug auf waf­fen­recht­li­che Maß­nah­men gegen NPD-Mit­glie­der. Inso­weit wird auf die Aus­füh­run­gen der Beklag­ten im gericht­li­chen Ver­fah­ren ver­wie­sen, aus denen sich ergibt, dass die Beklag­te bei ihren Ent­schei­dun­gen jeweils den Ein­zel­fall im Blick hat­te.

Sicher­stel­lung und Ein­zie­hung der sich im Besitz des Klä­gers befin­den­den erlaub­nis­pflich­ti­gen und erlaub­nis­frei­en Waf­fen und Muni­ti­on und die Sicher­stel­lung der
Waf­fen­be­sitz­kar­te erfolg­ten recht­mä­ßig. Gemäß § 46 Abs. 4 WaffG kön­nen Erlaub­nis­ur­kun­den und Waf­fen und Muni­ti­on sofort sicher­ge­stellt wer­den, 1. in den Fäl­len eines voll­zieh­ba­ren Ver­bots nach § 41 Abs. 1 oder Abs. 2 WaffG oder 2. soweit Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass die Waf­fen oder Muni­ti­on miss­bräuch­lich ver­wen­det oder von einem Nicht­be­rech­tig­ten erwor­ben wer­den sol­len.

Zum Waf­fen­ver­bot nach § 41 Abs. 1 und Abs. 2 WaffG hat­te die Behör­de die sofor­ti­ge Voll­zie­hung ange­ord­net. Dies war ord­nungs­ge­mäß nach § 80 Abs. 3 VwGO begrün­det und das Waf­fen­ver­bot war nach dem oben Gesag­ten recht­mä­ßig erfolgt. Die Vor­aus­set­zun­gen einer Sicher­stel­lung lagen damit vor. Die Beklag­te hat zudem ihr Ermes­sen ord­nungs­ge­mäß aus­ge­übt. Ein unbe­rech­tig­ter Erwerb und Umgang mit den Waf­fen und der Muni­ti­on sei schnell und sicher aus­zu­schlie­ßen, dahin­ter müs­se das pri­va­te Inter­es­se des Klä­gers zurück­tre­ten. Der Klä­ger wur­de auf die Mög­lich­keit hin­ge­wie­sen, der Beklag­ten einen emp­fangs­be­rei­ten Berech­tig­ten zu benen­nen. Die sofor­ti­ge Sicher­stel­lung der Erlaub­nis­do­ku­men­te sol­le den Rechts­schein einer waf­fen­recht­li­chen Legi­ti­ma­ti­on ver­hin­dern.

Die Ein­zie­hung der im Besitz des Klä­gers befind­li­chen Waf­fen und Muni­ti­on erfolg­te nach § 46 Abs. 5 S. 1 WaffG. Danach kann die Behör­de, sofern der bis­he­ri­ge Inha­ber nicht inner­halb eines Monats nach Sicher­stel­lung einen emp­fangs­be­rei­ten Berech­tig­ten
benennt, die sicher­ge­stell­ten Waf­fen oder Muni­ti­on ein­zie­hen. Der Klä­ger hat trotz
ent­spre­chen­der Beleh­rung kei­nen Berech­tig­ten benannt und auch kei­ne wei­te­ren
Ein­wän­de gegen die Ein­zie­hung erho­ben. Die von der Beklag­ten getrof­fe­ne
Ermes­sens­er­wä­gung begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken.

Ver­wal­tungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, Urteil vom 8. August 2014 – 2 K 100213

  1. BVerwG, Urt. v. 30.09.2009, 6 C 2908 []
  2. BVerwG a.a.O. []
  3. BVerwG, a.a.O. []
  4. VG Mün­chen, Urteil vom 13.11.2013 — WM 7 K 12.2797 []
  5. vgl. auch VG Wei­mar, B. v. 9.1.2013, 1 E 119412 []
  6. vgl. VG Mün­chen, a.a.O. []
  7. vgl. Leh­mann, Aktu­el­les Waf­fen­recht, Lose­blatt, Stand Juni 2014, § 45, Rdnr. 45; VG Mün­chen, a.a.O. []
  8. VG Augs­burg, Urt. v. 19.10.2012, Au 4 K 12.508; Leh­mann, a.a.O., § 45, Rdnr. 19 []
  9. BVerwG, Urt. v. 22.8.2012, 6 C 3011 []
  10. BayVGH, B. v. 22.1.2014, 21 ZB 13.1781; VG Ham­burg, Urt. v. 10.6.2013, 4 K 64713 []
  11. Leh­mann, a.a.O., § 41, Rdnr. 64 []