WBK oder Rockerclub?

Waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis­se, die einem Mit­glied des Ban­di­dos Motor­cy­cle Club (MC) erteilt wor­den waren, kön­nen auch dann wegen waf­fen­recht­li­cher Unzu­ver­läs­sig­keit wider­ru­fen wer­den, wenn weder die­ses Mit­glied noch die Teil­grup­pie­rung (Chap­ter) der Ban­di­dos, der er ange­hört, bis­her straf­recht­lich in Erschei­nung getre­ten sind.

WBK oder Rockerclub?

In den drei jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fäl­len sind die Klä­ger, die jeweils im Besitz waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se sind, Mit­glied ver­schie­de­ner Chap­ter des Ban­di­dos MC (Ban­di­dos MC Regens­burg, Ban­di­dos MC Pas­sau) mit der Funk­ti­on eines Prä­si­den­ten oder Vize­prä­si­den­ten. Nach­dem die­se Mit­glied­schaf­ten dem Land­rats­amt als zustän­di­ger Waf­fen­be­hör­de bekannt gewor­den war, wider­rief es allein wegen die­ser Mit­glied­schaft die auf die Klä­ger aus­ge­stell­ten waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis­se. Es stütz­te sich dafür auf eine Vor­schrift des Waf­fen­ge­set­zes, nach der waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis­se zu wider­ru­fen sind, wenn der Inha­ber die erfor­der­li­che Zuver­läs­sig­keit nicht besitzt, weil Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass er Waf­fen miss­bräuch­lich ver­wen­den oder Per­so­nen über­las­sen wird, die zur Aus­übung der tat­säch­li­chen Gewalt über die Waf­fen nicht berech­tigt sind.

Auf die Kla­gen der Klä­ger hob das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg die Ent­schei­dun­gen des Land­rats­am­tes auf1. Auf des­sen Beru­fung wies der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mün­chen hin­ge­gen die Kla­gen ab2. Mit­glie­der des Ban­di­dos MC oder ande­rer ver­gleich­ba­rer Rocker­grup­pen, wie bei­spiels­wei­se der Hells Angels, in her­vor­ge­ho­be­ner Posi­ti­on als Prä­si­dent, Vize­prä­si­dent oder sons­ti­ger Funk­ti­ons­trä­ger sei­en, so der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, waf­fen­recht­lich unzu­ver­läs­sig, auch wenn sie selbst oder das Chap­ter, der sie ange­hör­ten, bis­her straf­recht­lich nicht in Erschei­nung getre­ten sei­en. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Ansicht des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs nun­mehr bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ger zurück­ge­wie­sen:

Die waf­fen­recht­li­chen Erlaub­nis­se durf­ten wider­ru­fen wer­den. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­dend Tat­sa­chen fest­ge­stellt, aus denen sich ange­sichts der Gefähr­lich­keit von Waf­fen mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit die zukünf­ti­ge Mög­lich­keit der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung von Waf­fen oder ihrer Über­las­sung an Nicht­be­rech­tig­te und damit die waf­fen­recht­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit der Klä­ger ergibt. Auch die Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit einer Per­son kann als (per­so­nen­be­zo­ge­ner) Umstand für deren waf­fen­recht­li­che Zuver­läs­sig­keit rele­vant sein. Nach den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sind von Mit­glie­dern der Ban­di­dos gehäuft Straf­ta­ten unter zum Teil erheb­li­cher Gewalt­an­wen­dung began­gen wor­den, die maß­geb­lich auf die sze­ne­ty­pi­schen Riva­li­tä­ten zwi­schen den Ban­di­dos und ande­ren Rocker­grup­pie­run­gen zurück­zu­füh­ren sind. Es besteht wie bei ande­ren Mit­glie­dern der Ban­di­dos die nicht ent­fernt lie­gen­de Mög­lich­keit, dass die Klä­ger – selbst wenn sie dies per­sön­lich nicht anstre­ben soll­ten oder sogar für sich ver­mei­den woll­ten — künf­tig in die Aus­tra­gung sol­cher Riva­li­tä­ten und in hier­mit ein­her­ge­hen­de gewalt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Tritt die­ser Fall ein, liegt es wie­der­um nicht fern, dass sie hier­bei — ob beab­sich­tigt oder unter dem Druck der Situa­ti­on — Waf­fen miss­bräuch­lich ver­wen­den oder Nicht­be­rech­tig­ten über­las­sen. Für die­se Pro­gno­se ist auf die Ban­di­dos all­ge­mein und nicht auf das jewei­li­ge Chap­ter abzu­stel­len. Auf­grund der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Ten­denz zur gewalt­tä­ti­gen Aus­tra­gung szenein­ter­ner Riva­li­tä­ten für die Ban­di­dos schlecht­hin, nicht nur für ein­zel­ne Chap­ter prä­gend ist, und dass zudem auf­grund der Ver­net­zung der Chap­ter unter­ein­an­der wech­sel­sei­ti­ge Unter­stüt­zung bei Aus­ein­an­der­set­zun­gen ange­for­dert wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 28. Janu­ar 2015 — 6 C 1.2014 — ; 6 C 2.2014 — ; 6 C 3.2014 -

  1. VG Regens­burg, Urtei­le vom 14.06.2011 — RN 4 K 11.93; vom 29.11.2001 — RN 4 K 11.229; und vom 08.05.2012 — RN 4 K 12.156 []
  2. BayVGH, Urtei­le vom 10.10.2013 — 21 BV 12.960; 21 BV 12.964; und 21 BV 12.1280 []